Digital?

Ganz normal!

 

Herausforderung Home-Schooling

Früher war alles besser? Naja, zumindest anders. Das gilt auch für unser digitales Leben, denn dort ergeben sich jede Menge Möglichkeiten. Home-Schooling ist eine Herausforderung - nicht nur für Schüler:innen, sondern auch für Eltern. Plötzlich finden sich Eltern in einer Rolle wieder, die weit über das hinausgeht, was sie normalerweise im Rahmen der Hausaufgabenbetreuung leisten müssen. Stattdessen sind sie urplötzlich auch Lehrkraft. Die Verantwort wächst und setzt Eltern teilweise unter enormen Druck. Auch für die Kinder ist es eine Herausforderung, sich in der gewohnten heimischen Atmosphäre über Stunden hinweg auf den Lernstoff zu konzentrieren.

Multitasking

„Papa, kannst du mir mal eben helfen? Ich muss meiner Deutsch-Lehrerin noch ein Foto von meinen Hausaufgaben schicken.“ So oder so ähnlich hört es sich an, wenn Home-Schooling und Home-Office zum Alltag gehören. Gelebtes Multitasking auf allen Ebenen. Sowohl für Kinder, die darauf Rücksicht nehmen müssen, wenn Vater und Mutter gerade in Videokonferenzen stecken, als auch für Eltern, von denen im Rahmen des digitalen Lernens plötzlich ganz andere Fähigkeiten gefragt sind. Um den Schulalltag und auch das Arbeiten im Home-Office zu ermöglich, sind zuverlässige und leistungsstarke Internetverbindungen Grundvoraussetzung. Während selbst heute noch so manche Schule oder so manches Unternehmen über überlastete Server stöhnt, wäre digitales Lernen und Arbeiten vor Jahren noch unmöglich gewesen. Die Online-Nutzung beschränkte sich auf wenige Punkte wie soziale Medien und Streaming. Natürlich bestimmen diese Beschäftigungsfelder, die fast ausnahmslos einen Zeitvertreib-Charakter haben, auch heute noch die virtuellen Welten. Hinzugekommen sind jedoch zwei Bereiche, von denen man sich zu Hause zumeist ohne viel Mühe abgrenzen konnte. Nämlich Schule und Arbeit.  

Vom digitalen Lernen und Arbeiten profitieren

Arbeitnehmer:innen und Schüler:innen stehen vor einer neuen Herausforderung. Wie lässt sich digitales Lernen und Arbeiten erfolgreich in den Alltag integrieren? Diese Frage stellen sich nicht nur Eltern, sondern auch Singles und Paare ohne Kinder. Jeder muss seinen Alltag neu sortieren und damit umgehen, dass Arbeit und Freizeit sich immer mehr überschneiden. Zumindest zweifelhaft, ob es sich lohnt, dagegen anzukämpfen. Vielmehr sollte man die sich wandelnde Arbeitswelt oder den veränderten Schulalltag akzeptieren und sich über den Mehrwert freuen. Denn der ist zweifelsohne da. So entfällt beispielsweise der tägliche Weg zur Arbeit. Davon profitieren besonders jene, deren Arbeitsweg ein signifikanter Zeitfresser war. Gerade bei Berufspendler:innen sind zwei oder drei Stunden täglich keine Seltenheit. Statt Zeit in der Bahn oder dem Auto zu verbringen, kann man sich nun der Familie widmen oder Hobbys nachgehen. Auch das familiäre Miteinander oder das gemeinsame Frühstück mit der Partnerin oder dem Partner bedeuten jede Menge Mehrwert. Hetzten Eltern und Schüler:innen zuvor nicht selten unter Zeitdruck zur Arbeit und zur Schule, kann es aufgrund von Home-Schooling und Home-Office oftmals deutlich entspannter ablaufen. Die Verzahnung von Beruf oder Schule und Freizeit hat also auch positive Seiten. 

Strukturen schaffen

Doch nicht immer ist es möglich, dafür zu sorgen, dass die positiven Begleiterscheinungen von Home-Office und Home-Schooling im Vordergrund stehen. Denn bei allen Vorteilen gibt es auch gravierende Nachteile und diese bergen jede Menge Konfliktpotential. Selbstverständlich fehlt Schüler:innen der Alltag in der Schule. Gerade die Interaktion mit Klassenkamerad:innen und Freund:innen, sich auf dem Pausenhof auszutauschen, eine Struktur zu haben, ist enorm wichtig für Kinder. Der geschützte Raum Schule ist elementarer Teil des Aufwachsens und sollte Kindern nicht vorenthalten werden. Findet also Home-Schooling ununterbrochen statt und ist nicht nur eine temporäre Schulform, so stehen Schüler:innen und Eltern vor einer großen Herausforderung. Hier gilt es nun, besonnen zu reagieren und verlässliche Strukturen zu schaffen. Diese können beispielsweise darin bestehen, dass sich der schulische Alltag zu Hause an den Pausenzeiten in der Schule orientiert. Mit Hilfe dieser Routine gelingt es Kindern unter Umständen besser, sich an das Lernen im eigenen Kinderzimmer zu gewöhnen. Wichtig ist es, darüber hinaus sicherzustellen, dass sich Kinder nicht nur virtuell mit Freund:innen verabreden, sondern auch analog. Kinder brauchen diesen Kontakt. Sie dürfen nicht das Gefühl bekommen, komplett isoliert zu sein. Denn genau aus diesem Empfinden heraus, entwickeln sich Konflikte, die für Familien zur Zerreißprobe werden können.

Streitpotenzial durch zu wenig Freiraum

Auch für Erwachsene, die vornehmlich im Home-Office arbeiten, ist es wichtig, Konfliktpotential frühzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern. Paare sehen sich im Rahmen von vermehrter Tätigkeit im Home-Office viel öfter, verbringen mitunter den Großteil des Alltags miteinander. Das kann dazu führen, dass jede/ jeder Partner:in weniger Zeit für sich hat. Wenn der Freiraum fehlt, kann sich schnell Streit entwickeln, der die Vorteile von einer Tätigkeit im Home-Office zunichtemacht. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Ruhig und gelassen bleiben. Um den Kopf frei zu bekommen, hilft oftmals bereits ein Spaziergang. Die digitale Arbeits- und Lebenswelt lässt diesen Freiraum nicht zu, so scheint es zumindest. Doch hier muss jeder selbst ansetzen und ergründen, was hilft, um abzuschalten.

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