Auszeit: Digitaler Detox

Das Smartphone und andere digitale Medien mal aus der Hand legen und über einen längeren Zeitraum ohne sie auskommen? Das geht? Urlaub, vor dem eine Familie beschließt, Handys nicht mitzunehmen? Klingt absurd, und doch nutzen immer mehr Menschen einen digitalen Detox, eine digitale Auszeit, um durchzupusten.

Nicht selten muss hierfür der Urlaub herhalten. Was im Alltag sonst nicht gelingt, könnte in einer anderen Umgebung mit anderen Rahmenbedingungen funktionieren, so die Annahme. Und tatsächlich. Wenn beispielsweise Jugendliche nach einem handyfreien Urlaub ihr Smartphone wieder in die Hand nehmen und nach dem Scrollen durch die unzähligen Mitteilungen ihren Eltern achselzuckend mitteilen, dass ja eigentlich gar nichts los gewesen ist, wird klar: Sie kann funktionieren, die digitale Auszeit.

 

Selbstversuch starten

Wenn du an dieser Stelle ungläubig den Kopf schüttelst und du dir dies nicht vorstellen kannst, dann solltest du mal einen Selbstversuch starten. Denn ein digitaler Detox kann Wunder bewirken.   Plötzlich spielt die digitale Welt keine Rolle mehr oder nur noch eine untergeordnete. Dabei bleibt es dir überlassen, ob du radikal bist und auf sämtliche Geräte, also auch auf TV, Laptop und Tablet verzichtest oder ob du dich allein aufs Smartphone konzentrieren möchtest. Vielleicht solltest du beim ersten Versuch auch nicht zu drastisch vorgehen, um dich nicht zu überfordern. Eine derartige Radikalkur kann nämlich sehr herausfordernd sein. Plötzlich füllt eine Leere deinen Alltag, mit der du erst mal klarkommen musst. Selbstdisziplin ist gefragt. Wenn du den Drang überwindest, das Experiment abzubrechen, bemerkst du spätestens nach ein paar Tagen, wie Gelassenheit einkehrt. Du nimmst deine Umwelt ganz anders wahr. Du beschäftigst dich mit Dingen, die du vorher Jahre lang zu Gunsten deines Smartphones oder einer Serie auf einem Streaming-Portal nicht beachtet hast. Wie zum Beispiel das Lesen eines Buches. Du entdeckst wie viel Power dieses klassische Medium entwickeln kann. Wie zufrieden du ins Bett gehst, nachdem dich die Neugier abends durch unzählige Seiten eines spannenden Romans getrieben hat. Und dann sind da ja noch die vielen Kleinigkeiten, die den Alltag ausmachen aber oftmals zu kurz kommen. Wenn du dich mit anderen unterhältst, lenkt dich plötzlich nichts mehr ab. Es gibt keinen Grund, einem / einer Freund:in nicht mehr die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Langsam verschwindet die Unruhe, die sich sonst immer eingestellt hat, wenn du für ein paar Augenblicke dein Smartphone nicht gecheckt hast.

 

Wie sieht ein digitaler Detox praktisch aus?

Du hast das Gefühl, dass du soweit bist? Du möchtest das Experiment wagen und für einen längeren Zeitraum oder nur zu bestimmten Tageszeiten auf digitale Geräte - insbesondere dein Handy - verzichten? Dann kommen hier ein paar Tipps, mit deren Hilfe du deinen digitalen Detox planen und durchziehen kannst. Bevor du dich für die radikale Variante entscheidest und deine Auszeit sogar ein oder zwei Wochen umfasst, kannst du mit kleinen Versuchen starten. Schalte abends einfach mal dein Handy aus. Und zwar mit Hilfe des Aus-Knopfes. Der fristet in der Regel zwar nur ein Nischendasein, aber du kannst ihn verwenden, um dir eine Sendepause vor dem Schlafengehen zu verpassen. Hilfreich: Schalte dein Smartphone nicht direkt nach dem Aufstehen wieder an, sondern lass erst eine Stunde vergehen. So kannst du entspannt in den Tag starten. Ein weiterer Tipp: Lass das Handy öfter mal zu Hause liegen. Und zwar ganz bewusst. Verbringe einen Tag ohne deinen mobilen Begleiter. 

Für einen radikalen Detox eignet sich zum Beispiel ein Urlaub. Also in der fremden Umgebung das Handy einfach im Koffer lassen. Stell dir vor, du liegst am Strand, vielleicht mit einem/ einer Freund*in. Die Sonne geht unter und du bist nicht damit beschäftigt, ein Bild zu machen, um es später mit anderen zu teilen. Du hast den Sonnenuntergang für dich und kannst den Moment genießen, ohne ihn unbedingt festhalten zu müssen. Gespräche haben plötzlich eine ganz andere Qualität, fühlen sich viel intensiver an, weil keiner der Beteiligten an sein Smartphone denkt.

Du kannst deinen digitalen Detox auch auf andere Bereiche ausdehnen. Verzichte an mindestens zwei Tagen pro Woche auf TV, Netflix und YouTube. Halte es auf dem Sofa aus, ohne dass du dich von Serien oder Filmen berieseln lässt.

Auch wenn die Tipps einfach klingen, haben viele Menschen Probleme damit, sie umzusetzen. Zu gewohnt ist der tägliche Umgang mit Smart-TV, Smartphone und Laptop. Dabei kann der Sinn eines digitalen Detox darin liegen, festzustellen, wie sich ein Medienverzicht auf dich auswirkt. Hältst du ihn aus? Wichtig: Falls du es nicht schaffst, siehe es nicht als Scheitern, sondern einfach als Experiment. Manchmal braucht es einen zweiten oder dritten Anlauf, um Gewohnheiten zu ändern und digitale Auszeiten in den eigenen Alltag zu integrieren.
 

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